Freiheit, Gerechtigkeit und Solidarität

Der 9. Oktober 1989 ist für mich nicht nur irgendein geschichtsträchtiges Datum. An diesem Tag hat sich die Welt verändert, dieses Datum markiert zugleich in meinem Leben eine entscheidende Zäsur.

Wie viele von uns in meiner Heimatstadt Leipzig hielt ich es nicht für möglich, das ehern scheinende System der Diktatur des Proletariats auf absehbare Zeit zu beseitigen. Doch dann geschah etwas Unglaubliches: Die Menschen nahmen ihre eigenen Angelegenheiten in die Hände. Mut, Zivilcourage, Kerzen und Gebete brachten das Regime zu Fall. Ein Wunder. Diese Erfahrung hat mich geprägt: Wir sind in der Lage die Verhältnisse zu verändern, wenn wir zusammenstehen, eine gemeinsame Vision haben und den Mut, neue Wege zu gehen.

Was vielleicht zu  allgemein klingen mag, hat meinen Lebensweg geprägt und gleichermaßen meine Überzeugungen.

Die gesellschaftlichen Verhältnisse schreien nach Veränderung. Auch und gerade heute ist das so. Es gilt für die großen wie für die kleinen Angelegenheiten des Lebens.

Die Schere zwischen Arm und Reich geht auf, auch die Sozialdemokratie konnte das nicht verhindern. Kinder aus Elternhäusern ohne Bücherschrank und Klavier haben es extrem schwer, die Hürden zu höherer Bildung zu überspringen. Unsere Städte leiden an Geldnot, die Bürgerinnen und Bürger spüren den Mangel. Die Arbeitslosigkeit durchdringt immer noch wie ein schleichendes Gift unseren Alltag und zermürbt Menschen, die eigentlich anpacken wollen. Die Ungleichheiten zwischen Deutschland und unseren östlichen Nachbarstaaten sind immens, obwohl die es doch waren, die uns den Weg in die Einheit geöffnet haben. Ein ungezügelter Ellbogenkapitalismus beutet hier und weltweit Menschen und Natur aus, die Politik kommt immer einen Schritt zu spät.

Vieles liegt im Argen und schreit nach Veränderung.

Ich bin in die SPD, diese stolze, fast 150 Jahre alte Partei eingetreten, weil ich hier den ernsthaften Versuch sehe, für mich Wichtiges zu verbinden: Gerechtigkeit für die Menschen. Das Eintreten für die, die nicht auf Rosen gebettet sind. Teilhabe am gesellschaftlichen Leben und Lebenschancen für alle. Wirtschaftliche Vernunft und kluges Wachstum, Respekt vor der Natur in ihrer Vielfalt, Respekt vor unseren Vorfahren und ebenso vor den nachkommenden Generationen. Und den Mut, im Kleinen wie im Globalen den zynischen Gemeinwohlzerstörern in Wirtschaft, Finanzwelt und Politik das Handwerk zu legen.

Wir können die Verhältnisse verändern, wenn wir uns nicht abfinden mit der Welt wie sie ist. Von Johannes Rau stammt das politische Credo: Tu, was Du sagst und sage, was Du tust. Mit den Füßen fest auf der Erde, nicht abgehoben, den weiten Horizont im Blick, so möchte ich politische Arbeit für unser Gemeinwesen leisten. Ich lade alle ein mitzumachen, die meine Überzeugungen teilen. Wir haben viel erreicht, aber es bleibt noch viel zu tun.